3. Februar 2024

Resilienz im PM – Der Schlüsselfaktor für Projekterfolg

Resilienz im PM – Der Schlüsselfaktor für Projekterfolg
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Die Healthcare-IT-Branche steht vor einzigartigen Herausforderungen: neue technologische Innovationen, damit einhergehenden Datenschutzbedenken und die Integration in bestehende, vielfältige Systemlandschaften, um nur einige zu nennen. In diesem Bereich sind Projekte von herausragender Bedeutung für die Patientenversorgung, aber auch äußerst komplex. Und gerade bei großen IT-Projekten stoßen wir immer wieder auf unvorhergesehene Herausforderungen, die den einen oder anderen lähmen können.

Als Expertin für komplexe Healthcare-IT-Projekte habe ich erkannt, dass Resilienz ein entscheidender Faktor für den Erfolg solcher Vorhaben ist. Hier stehen Projekte und Menschen oft unter besonders hohem Zeitdruck, es sind lebenswichtige Systeme betroffen und eine fehlerfreie Funktion der Systeme ist unabdingbar. Resilienz ermöglicht den Projektteams, täglich aufkommende Hindernisse als Chancen zu betrachten, innovative Lösungen zu finden und die digitale Transformation im Gesundheitswesen voranzutreiben. Teams, die sich schnell an neue Herausforderungen anpassen und flexibel bleiben, bewältigen unerwartete Situationen souverän. Ein frühzeitiges Risikomanagement und gute Kommunikation verhindert größere Störungen und sorgt für eine stabile Projektlandschaft.  Letztlich trägt dies zur Verbesserung der Patientenversorgung und zur Steigerung der Systemeffizienz bei!

Dabei ist Resilienz mehr als nur ein Buzzword; es ist die wesentliche Fähigkeit für den Projekterfolg. Doch was bedeutet Resilienz in diesem Kontext, und wie kann die eigene Resilienz als Projektmanager*in bzw. im Team gestärkt werden?

Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die Grundlagen der Resilienz werfen.

Grundlagen der Resilienz

„Resilienz ist ein dynamischer Prozess, der eine positive Anpassung im Kontext erheblicher Widrigkeiten umfasst.“

In der Schnittmenge von Resilienzforschung und Salutogenese erkennen wir, dass das Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft untrennbar verbunden sind. Eine sinnstiftende Existenz, geprägt durch Liebe und tiefe Beziehungen zu Menschen, der Natur, Tieren und möglicherweise einer universellen  Instanz, bildet das Fundament unserer psychischen Widerstandskraft. Gute Beziehungen nähren unsere Seele und geben uns Kraft. Durch Selbsterziehung und das bewusste Schöpfen aus diesen Quellen stärken wir nicht nur unsere Resilienz, sondern fördern auch das Heil der Gemeinschaft. Dieser ganzheitliche Ansatz unterstreicht, wie essenziell tiefgreifende, liebevolle Verbindungen für unser Wohlergehen und unsere Fähigkeit, Widrigkeiten zu begegnen, sind.

Was genau ist Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen, sich schnell von Rückschlägen zu erholen, sich durch Misserfolge nicht entmutigen zu lassen und aus schwierigen Situationen gestärkt hervorzugehen. Im Kern geht es um emotionale Widerstandsfähigkeit und die eigene Anpassungsfähigkeit an Veränderungen und Stress. Denn Menschen reagieren unterschiedlich auf all die negativen Einflüsse, die täglich auf sie einströmen. Während einige von Problemen, Misserfolgen und Katastrophen überwältigt werden, reagieren andere positiv und gehen selbst aus schwierigsten Erfahrungen stärker hervor.

Warum ist das so? Welche Eigenschaften machen einige Menschen belastbar und helfen ihnen dabei, sich von Rückschlägen schneller zu erholen?

Im Rahmen der Resilienzforschung wird genau das untersucht:

  • Wie reagieren Menschen auf schwierige Ereignisse oder Umstände?
  • Warum haben bestimmte Menschen eine höhere Belastbarkeit?
  • Warum ziehen manche sogar Stärke aus schwierigen Ereignissen oder Umständen?

Was Resilienz NICHT ist

Resilient zu sein bedeutet nicht, dass man nie ins Wasser fällt, sondern dass man die Fähigkeit und Ausrüstung hat, egal wie tief man fällt, wieder an die Oberfläche zu schwimmen.

Wenn Menschen im Veränderungsprozess unter Druck geraten oder inneren Widerstand gegen die Veränderung haben, muss das Verhalten in diesem Veränderungsprozess genau unter die Lupe genommen werden. Hier muss man sich mit inneren ggf. blockierenden Überzeugungen auseinandersetzen und die Ursachen für innere Konflikte herausfinden, also sich die Dynamik zwischen Absichten, Werten und Überzeugungen bewusst machen.

Wenn wir Menschen unterstützen wollen, resilienter zu werden, ist es sehr hilfreich, einzelne Resilienzfaktoren zu kennen, um herauszufinden wo die Person gerade in Sachen Resilienz steht und woran noch konkret gearbeitet werden kann. So lässt sich langfristig und Schritt für Schritt die „Resilienz-Kompetenz“ verbessern. Besonders in anspruchsvollen Projekten ist dies von unschätzbarem Wert, da sie es Individuen und Teams ermöglicht, effektiv mit Druck, Unsicherheit und stetem Wandel umzugehen.

Die sieben Säulen der Resilienz und ihre Bedeutung im Projektmanagement

Nachfolgende Säule setzen sich aus verschiedenen Ansätzen und Erkenntnissen der Resilienzforschung und -praxis zusammen. Hier ein Überblick:

1. Akzeptanz:
Die Realität anzuerkennen und zu akzeptieren, dass nicht alle Situationen kontrollierbar sind. Dies erleichtert den Umgang mit Unsicherheiten gerade bei Großprojekten, wo schnelle Veränderungen und unvorhersehbare Ereignisse alltäglich sind.

2. Optimismus:
Die Fähigkeit, positiv in die Zukunft zu blicken und sich von negativen Gedanken nicht überwältigen zu lassen. Ein positiver Blick hilft, Herausforderungen als Chancen zu sehen. Optimismus motiviert Teams, nach innovativen Lösungen zu suchen, statt sich permanent auf Fehlersuche zu begeben.

3. Lösungsorientierung:
Aktiv nach Lösungen suchen, statt sich auf Probleme zu fokussieren und von ihnen überwältigt zu werden. Somit lässt sich die eigene Zukunft proaktiv gestalten, und die hohe Handlungsfähigkeit des Individuums stärken. (Nicht vergessen: Das Leben ist nicht planbar! Die eigene Handlungsfähigkeit schon.)

4. Verantwortung:
Die eigene Rolle in Ereignissen erkennen und Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Heißt: Die Opferrolle verlassen. In Teams bedeutet das, sein eigenes Zutun für Erfolge und auch Misserfolge zu erkennen und in die Verantwortung zu gehen.

5. Netzwerkorientierung:
Ein starkes soziales Netzwerk aufbauen, das Unterstützung und Rat bietet. Netzwerke mit Fachkolleg*innen bieten Rückhalt und fördern den Austausch von Wissen und Ressourcen. Zudem ist es wichtig, sich der eigenen Ressourcen bewusst zu werden und sie mit den Talenten anderer zu kombinieren.

6. Zukunftsplanung:
Ziele setzen und einen Plan für die Zukunft entwickeln, der auf den eigenen Stärken basiert. Das bedeutet, sich auch der eigenen Stärken bewusst zu sein und immer wieder bewusst zu machen.

7. Selbstregulierung:
Die Fähigkeit, Emotionen und Verhalten in Stresssituationen bewusst zu steuern sowie Schuld und Selbstvorwürfe zu überwinden. Dies ist entscheidend, um in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht erst in Negativspiralen zu kommen.

All dies sind Fähigkeiten, die sich trainieren lassen. Wie? Indem wir sie mit Aufmerksamkeit und Bewusstsein stärken.

Folgende Übungen sollen dabei helfen:

Spezifische Übungen zur Stärkung der Resilienz

Diese Übungen, die ich auch in meinen Resilienz-Workshops für Teams einsetze, helfen dabei, die eigene Resilienz im Alltag zu stärken. Sie sind speziell darauf ausgerichtet, die Herausforderungen im Projektmanagement, insbesondere in stressigen und dynamischen Arbeitsumgebungen, effektiver zu bewältigen.

1. Erinnern Sie sich an die 7 Faktoren

Beginnen Sie mit einer Reflexion über die sieben Resilienzfaktoren. Indem wir die Resilienzfaktoren verstehen und aktiv anwenden, verbessern wir sowohl das individuelle als auch das kollektive Wohlbefinden.

Notieren Sie, wie Sie jeden Faktor in der vergangenen Zeit angewendet haben und setzen Sie Ziele, wie Sie diese z.B. in der kommenden Woche stärker einbeziehen können.

2. Was gibt Ihnen Kraft? - Was nimmt Ihnen Kraft?

Notieren sie sich täglich, welche Tätigkeit Ihnen Energie gibt und was ihnen Energie raubt. Identifizieren Sie Muster und suchen Sie nach Wegen, mehr kraftgebende Aktivitäten in Ihren Alltag zu integrieren.

3. Sorgen Sie für eine Balance zwischen Selbst- und Fremdfürsorge

Planen Sie bewusst Aktivitäten der Selbstfürsorge ein und balancieren Sie diese mit der Fürsorge für andere. Dies kann durch einfache Aktionen wie eine tägliche ungestörte Mittagspause oder regelmäßige Entspannungsübungen geschehen.

4. Analysieren Sie die Effekte von Gedanken & Emotionen

Notieren Sie Situationen, die Stress verursachen, und beobachten Sie Ihre ersten Gedanken. Erkennen Sie wiederkehrende negative Gedankenmuster? Schreiben Sie sie auf, und überlegen Sie, wie Sie diese durch positive Affirmationen ersetzen können. Sie können z.B. ein Tagebuch oder eine geführte Meditation nutzen, um Ihre emotionale Selbstwahrnehmung zu schärfen.

5. Spüren Sie „Eisberg-Überzeugungen“ auf

Reflektieren Sie über tief verwurzelte Überzeugungen, die Ihr Verhalten beeinflussen, und hinterfragen Sie deren Gültigkeit. Gilt das noch heute, hier und jetzt? Und falls nicht, welche neue Überzeugung darf nun Raum bekommen in Ihnen?

6. Stoppen Sie Katastrophendenken

Wenn Sie sich in negativen Gedankenspiralen befinden, halten Sie inne und fragen Sie sich, wie wahrscheinlich das befürchtete Worst-Case-Szenario wirklich eintritt. Und falls ja, was passiert danach? Oft denken wir nur bis zur Katastrophe, aber nicht darüber hinaus. In den wenigsten Fällen haben Misserfolge die gravierenden Auswirkungen, die wir innerlich befürchten.

7. Besinnen Sie sich auf vergangene Herausforderungen

Machen Sie sich bewusst, welche Stärken Ihnen in der Vergangenheit geholfen haben, Herausforderungen zu meistern, und überlegen Sie, wie Sie diese in der jetzigen Situation nutzen können.

Resilienz als entscheidender Faktor für Ihren Projekterfolg

Resilienz im Projektmanagement ist mehr als nur eine Fähigkeit; es ist eine Haltung, die uns ermöglicht, die Herausforderungen der modernen Projektlandschaft nicht nur zu bewältigen, sondern sie als Treibstoff für Wachstum und Innovation zu nutzen. In der Healthcare-IT-Branche, wo der Druck hoch und die Anforderungen noch höher sind, kann Resilienz der entscheidende Faktor sein, der den Erfolg eines Projekts beeinflusst.

Die Förderung von Resilienz erfordert jedoch ein Umdenken in der Projektarbeit. Durch regelmäßige Reflexion, offene Kommunikation und die Stärkung jedes Teammitglieds, können resiliente Teams aufgebaut werden, die selbst die komplexesten Projekte erfolgreich umsetzen können.

Sind Sie bereit, die Resilienz in Ihren Projekten zu stärken? Dann lade ich Sie ein, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Gemeinsam legen wir die Grundlagen für erfolgreiche und zukunftsorientierte Projektarbeit, die das Wohlbefinden aller Beteiligten fördert – und somit Ihres Gesamtprojekts.